AllGemeines

5.1. RückSichten

5.1. RÜCK-SICHTEN

verlassene SchneckenHäuser
sammeln
war eine Leidenschaft
meiner Kindheit

bis heute
bezaubert mich
die VollKommenheit
ihrer Windung
als Zeichen
von GeBorgenheit
und Schutz

so neige ich mich
zu jedem SchneckenHaus
trage es bei mir
als Hoffnung auf ein ZuHaus
das verlassen werden kann
ohne Bitterkeit

***

Mit jedem lebenszerstörenden Zwang
den ich ablege
spüre ich den Schmerz meiner Schultern
im BeWusstSein der aufgezwungenen Lasten
des zurückliegenden Weges

jedes AufRichten meiner WirbelSäule
mahnt voll Zorn das GeBeugtWerden durch GeWalt
jeden VerRat
den ich dornengleich aus meinem Herzen entferne
spüre ich noch einmal als Schmerz in den Wunden
die das nun fließende Blut
reinigt und heilt

jedes Bröckeln der einengenden Fassade
verstärkt den Drang
auch die letzte Hülle
von meiner Haut zu reißen
daß Luft an die Wunden kommt
und mir ein neues Fell wächst

mit jedem Heben des Kopfes
mit jedem standhaltenden Blick
werden die alten ErNiedrigungen wach
meine UnSicherheit
nach Trotz und Wut
nun endlich auch Würde und Stolz

meiner Seele sind die Flügel wieder gewachsen

***

hart und kantig
fühle ich mich
wenn ich die Reste
mildernder UnAufRichtigkeit
ablege

meine Knochen zeige
im Fleisch
das nie so weich
nie so verletzlich war

meine Seele
nackt
doch endlich ohne Scham
und Schuld

die sich nun abwenden
und gehen
sind
einfach noch
zu gut
geschminkt

***

keine GeDuld mehr
in mir
für unsichere UnAufRichtigkeit

keine GeDuld mehr
die fühlende Lebendigkeit
des AugenBlicks
in den Rachen
der Angst
zu werfen

der kleinlichen Furcht
vor jeder berührenden BeGegnung

***

ich will nicht
daß du von mir verlangst
ich solle geduldig sein
mit deiner Angst vor dem Leben

ich verweigere mich
der Bitte um Schonung
die ich auch mir selbst
nicht mehr gewähren kann

zu lange schon gesäumt
zu lange gewartet
auf irgendetwas
auf irgendeine BeGegnung
die dann doch nicht zustande kam

wenn das verglimmende Feuer
der Gemeinsamkeit
die Kraft meiner Seele frißt
...
wie sollte ich da noch geduldig sein

***

wenn
fast
keine MenschenSeele
mehr nah bleibt
greift
die Einsamkeit
mit Bitterkeit
und Kälte
nach der letzten Glut
meiner Seele
die noch kämpft
gegen die Sinnlosigkeit
die noch immer
HerzBeRührung sehnt

lebendige Wärme
die gemeinsam genährt wird

***
wieder gefühlt:
in jedem AbSchied
ist ein Beginn enthalten

nichts Lebendiges geht verloren
und UnGeLebtes
kann nicht gehalten werden

wieder gespürt:
wie nahe
Schmerz und Lust
beieinander liegen

wieder geahnt:
in mir ist Hoffnung
solange ich wage
ohne jeden VorBeHalt
zu leben

***

und irgendwo
in mir
sitzt noch manchmal
ein kleines Mädchen
das hofft
alles möge irgendwann
irgendwie
einfach nur gut werden

weil es Angst hat
vor Leid
Schmerz
Kälte
Einsamkeit
vor dem VerlorenSein

will nur Liebe
Schutz
GeBorgenheit
traut sich nicht mehr

behutsam
suche ich dann wirksamen Trost
sage
nichts bleibt
alles fließt
lebe bevor du stirbst
und
vergiss nicht zu wünschen
vergiss nicht zu danken
dem UnVorHerSehbaren

***

ich habe den Winter im Blut
bin träge und faul
knurre
wenn ich meine warme und ruhige Höhle
verlassen soll
weil ich noch immer dort lebe
wo das GeSchenk des Winters missachtet
die RückZug und EinKehr gebietende Kälte
gescholten
und die tiefe Kraft der Dunkelheit
beklagt wird

auch ich habe verlernt
mich den reinigenden WinterStürmen
entgegen zu stellen
mich an sie zu lehnen
mir den Rücken kraulen zu lassen

und
Bitterkeit
nagt mit spitzen Zähnen
einen Weg
aus der er-stickenden Bequemlichkeit

ich
die den Winter nie mochte
ziehe zur Mutter des Nordens
den Winter in mir zu entdecken

***

im offenen Land
voll wärmender Sonne
stapfte ich knietief im Schnee
mit kindlicher Freude
ich spürte
ich war nicht allein
spielerischer ÜberMut
zog mich
in die unberührte Weite
überrascht
entdeckte ich drei Frischlinge
die meinen träumenden Weg berührten
nur kurz war mein Staunen
unmittelbar folgte das Wissen um die WildSau
die kommen würde
und die Angst
sie würde mich niederwerfen
zum Schutz ihrer Kinder
ich suchte einen AusWeg
Rettung
vermochte mich nicht von der Stelle zu rühren
lief endlich
wahllos
ihr entgegen
spürte ihr Ungestüm
ihre Kraft
in meinem Bauch
...
als wir uns ganz nah waren
verletzte mich nichts

***