AllGemeines

5.3. AufWachen

5.3. AUFWACHEN

brennende Wut
tobt in meinem Bauch
frißt sich ins Hirn
will den Schädel sprengen
alles niederreißen
was einengt
keine BeGrenzungen mehr dulden
fremden GeBoten widerstehen
schreien
brüllen
bis die Kehle heiser wird
mich so ver-rückt zeigen
wie ich bin
infolge der GeWalt seit JahrTausenden
infolge des VerSchweigens
der EntWürdigung
des Leides
des Duldens
der lebenszerstörenden Dummheit
die jeden MitGeFühls
und jeder VorAusSicht entbehrt
jeder echten Leidenschaft
und LebensFreude
die den Schein mehr schätzt
als das innerste Heiligtum der freien Seele
als die tiefe Weisheit der Erde
als den vielfältigen GeSang des Alls

***

fassungslose Bitterkeit in mir
als ich wahr-nahm
die Spuren der Mütter wurden verwischt
Zeugnisse vernichtet
UrInnerungen getilgt mit grenzenloser GeWalt
uns in die Irre zu führen
mißhandelt
vergewaltigt
verbrannt
bis zur SelbstVerLeugnung
SelbstAufGabe
BeSinnunglosigkeit
bis wir willenlos wurden und brauchbar
bei der VerGeWaltigung von Mutter Erde
und ich verstand die dumpfe Wut meiner Blindheit
begriff ihre RechtMäßigkeit
begann mich zu wehren in hellem Zorn
verbrauchte meine Kraft im Kampf gegen Herrschaft
wurde müde und mutlos
zog mich zurück
als es stiller wurde
hörte ich die Stimme meiner SehnSucht
stärkte meine Wurzeln
suchte lebendige Nahrung
für das BeGehren meiner Seele
verließ das SchlachtFeld der Herrschaft
auf dem ich mein Leben fast verloren hätte
verließ die Stätten des Sterbens
zu suchen die Quellen des Lebens
auf unvorstellbaren Pfaden verstand ich
dass die Zeichen nicht verloren waren
sah den SilberStreif am heiligen Kreis

***

die alten Weiber
waren schon tot
oder fern

ich kannte ihre Warnungen nicht

nichts
war zu hören
nur Lärm

ich kannte nicht
ihre EntSchlossenheit
jede Grenze zu berühren
nur Hast ringsum
und laue GleichGültigkeit

ich kannte nicht
ihre Wildheit
die auch das Sterben verlangte
alles war zerstückelt
auch in mir
bis ich dem Schmerz nicht mehr widerstand
und mich zusammenfügte

***

jahrelang
scham-haft
gefangen
in den GeBoten der Väter
ent-mündigt
von Herren

leise
und kraftvoll
drängt SchamLosigkeit
in die Kerker
bis sie bersten
und die uralte Lust der Frauen
hervorbricht

zu reinigen
zu heilen
die Wunden der Erde

***

noch einmal
kehrt sie zurück
die wilde Frau
aus der nachtschwarzen Tiefe
unserer uralten Seele

bringt noch einmal
das wärmende Feuer
auf das wir fühlend sehen können
um endlich umzukehren
uns zu besinnen auf das MenschenMögliche
die Zauber
für die wir verantwortlich sind im All

ein letztes Mal
sind wir gerufen
um AntWort zu geben
verweigern wir sie
vernichten wir mehr als nur uns

***

wohlgehütet
und unverborgen
ruht
das GeHeimnis
des Lebens
in jeder Höhle
meines Leibes
unabhängig vom ZeitMaß
des ihr eigenen Wandels

nur zu ahnen
im heiligen Netz
der WahrNehmungen
aller Sinne
in das eine sich einspinnen muss
will sie die Wahrheit
der Mutter des Lebens und des Sterbens
teilen

***

dieser
zuweilen schmerzliche Mangel
an SelbstVerTrauen
nährt
Zweifel
selbst dort
wo meine Füße
den Weg begrüßen
und tanzen

tief in mir
brennt der uralte Wunsch
nach bedingungslosem GeBorgenSein
im Schoß
der Großen Mutter

dort sein dürfen
und bleiben
bis ich von selbst aufstehe
um zu gehen
mich zu finden
und zurückzubringen
um endlich heimzukehren
auf verschlungenen Wegen

***

Hexen
leben
oft allein
aus eigener EntScheidung
zurückgezogen
zu finden
den nötigen Raum
in der Zeit

sehnen
eine Gemeinschaft
von Freien
im lebendigen Wandel
nur dem innersten Werden
und VerGehen
verpflichtet

warten
beharrlich
und zäh

***

Mond
Mutter der GeZeiten
dein SilberLicht
gibt uralte AntWort

Mond
BeHütende des Blutes
der Frauen
deren Schmerz
die SehnSucht urinnert

Mond
Zaubernde der LebensKraft
in den Nächten derer
die sich noch wagen
mit Leib und Seele
zu träumen

***