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ALLERLEIRAUH - WAHRHEITen, GESCHICHTEn und WEISHEITen aus der DDR

ALLERLEI - RAUH
WAHRHEITen, GESCHICHTEn und WEISHEITen aus der DDR

Es war einmal in einem uns sehr gut bekannten Land,
in einer noch nicht so fernen Zeit,
in uns bekannten Landschaften
mit einander vertrauten Menschen,
die zusammen Heimat waren
für all die Frauen, Männer und Kinder, Tiere und Pflanzen
die dort zufällig lebten.

Dieses Land war die kleinere Hälfte
eines zerstörerischen Reiches,
das durch einen selbst entfesselten Krieg zerteilt wurde.
Als dieser entsetzliche Krieg endlich vorüber war
gab es in diesem kleinen Land
große Zerstörung,
bittere Armut,
zahllose Wunden,
abgrundtiefe Trauer,
unglaubliche Not
und unendliches Leid.
Alle Landschaften, alle Orte und alle Menschen waren davon betroffen.
Fast schien es, als könne es in diesem Land keine Zukunft mehr geben.

Die neuen Herrscher dieses kleinen Landes
hatten durch all das selbst erlebte Unglück
ihre bessere, die lichtvolle Hälfte ihrer Menschlichkeit nahezu eingebüßt.
Sie waren selbst voller Angst, noch mehr zu verlieren:
insbesondere ihren Traum von einer gerechten Welt.

Dieser tiefe Schmerz ihrer schwärenden Wunden,
deren verborgene Wahrheit
und ihre darin wurzelnde, unausgesprochene Angst
ließen sie hart werden:
hart gegen sich selbst
und hart gegen alle Menschen,
die das Licht ihrer eigenen Wahrheit sehnten,
die von wirklicher Freiheit träumten
und von dem einzigartigen Glück ihres Lebens.

Die Herrschenden in diesem kleinen Land
versprachen den Menschen, die darin lebten,
Gerechtigkeit,
Sicherheit,
bescheidenen Wohlstand
und Schutz vor dem Feind
und sie verlangten dafür
Anpassung und unbedingten Gehorsam in ihrem Sinne.

Zuwiderhandlung wurde bestraft:
mit Verwarnung,
mit Drohungen,
mit Benachteiligungen,
mit Einschränkungen des Lebens
und mit Inhaftierung,
mit Folter und Mord.
Doch darüber durfte in diesem Land nicht gesprochen werden
und die es dennoch wagten, wurden zum Schweigen gebracht.

Schuld waren ohnehin immer nur Diejenigen,
die sich den Herrschenden in irgendeiner Weise widersetzten.
Denn sie waren 'Feinde'
- jene, vor denen die Herrschenden sich fürchteten.

Deshalb erklärten die Herrschenden:
die nicht für uns sind – sind gegen uns.
Und wer gegen uns ist, muss sich unterwerfen,
wird zum Schweigen gebracht - so oder so,
um unserer großen Sache willen,
denn diese Sache ist wichtiger als alle Menschlichkeit.

Der Alltag in dem kleinen Land war lange Zeit vom Mangel geprägt:
vom Mangel an Freiheit,
vom Mangel an Wahrhaftigkeit,
vom Mangel an Essen, an Kleidung, an Wohnungen...
Der Mangel prägte nahezu alle Bereiche des Lebens.

Die Menschen in dem kleinen Land arbeiteten hart
und ganz allmählich wurde ihr Alltag leichter.
Die Herrschenden bemächtigten sich der Lebenskraft aller
für ihren Traum einer gerechten Gesellschaft,
der anfangs auch von vielen Menschen in diesem kleinen Land mit geträumt wurde.
Doch wirkliche Gerechtigkeit entsteht nur dann,
wenn die Wahrheit aller Menschen gehört
und in die Gestaltung des gemeinsamen Lebens einbezogen wird.
Dies wagten die Herrschenden jedoch nicht,
denn sie vermochten nicht zu vertrauen.

Sie wagten nicht sich der Wahrheit zu stellen,
statt dessen beschönigten sie die schwierige Wirklichkeit in dem kleinen Land,
täuschten bewusst andere und letztlich sich selbst.
Sie beschworen eine rosa-rote Scheinwelt
und verlangten von allen Menschen,
diese als Wirklichkeit anzuerkennen.

Die Herrschenden gaben ein Menschenbild vor,
dem sich alle anpassen sollten.
Die sich nicht ausreichend anpassten,
wurden bedroht und benachteiligt von jenen,
die in blindem Eifer die Anweisungen der Herrschenden ausführten.
Bevormundung und Gängelei beherrschten den Lebensalltag.

Verbote beschnitten alle Bereiche des Lebens.
Es war verboten eigenmächtig zu denken,
es war verboten die eigene Wahrheit zu sagen oder zu schreiben,
es war verboten bestimmte Witze zu erzählen,
es war verboten bestimmte Bücher zu lesen,
es war verboten bestimmte Filme zu sehen,
es war verboten bestimmte Musik zu hören,
es war verboten bestimmte Lieder zu singen,
es war verboten bestimmte Gedichte aufzusagen,
es war verboten bestimmte Kunstwerke anzufertigen,
es war verboten bestimmte Gemälde zu mögen,
es war verboten bestimmte Fernsehsendungen zu sehen,
es war verboten bestimmte Radiosender zu hören,
es war verboten sich auf bestimmte Weise zu kleiden,
es war verboten bestimmten Schmuck zu tragen,
es war verboten in die meisten Länder zu reisen,
es war verboten eine eigene Weltsicht zu entwickeln,
es war verboten mit bestimmten Menschen befreundet zu sein,
es war verboten sich zu versammeln, um miteinander zu reden,
- es war verboten die eigene Wahrheit aufrichtig und frei zu leben.

Diese Verbote, die das Leben in diesem kleinen Land so sehr einengten,
führten bei vielen Menschen zu Angst,
zu Untertanengeist und zu Duckmäusertum.
Sie unterwarfen sich den Herrschenden
und vertraten scheinbar deren Weltsicht
- sie lernten mit gespaltener Zunge zu reden.
Andere Menschen hingegen begehrten auf,
verlangten nach gesellschaftlichen Veränderungen
oder nach der Ausreise aus diesem, in vielerlei Hinsicht so engen, Land.

Die Herrschenden verführten,
bestachen oder erpressten Menschen,
ihre Mitmenschen auszuhorchen und zu bespitzeln,
sie als Feinde anzuzeigen,
damit sie überwacht,
bestraft,
verurteilt,
weggesperrt
und gefoltert
oder nötigenfalls auch getötet werden konnten.
Aber darüber durfte selbstverständlich nicht gesprochen werden
und die trotzdem darüber sprachen
wurden von den Bütteln der Herrschenden zum Schweigen gebracht.

Es war nicht erlaubt einfach aus diesem Land weggehen zu wollen,
denn für die Herrschenden war dies Verrat
- Verrat an ihrem Traum von einer gerechten Gesellschaft.
Und dieser Verrat wurde unnachsichtig bestraft.
Immer und überall.
Dies wurde von den Herrschenden mit allen Mitteln verheimlicht
und Menschen, die dennoch darüber sprachen
wurden zum Schweigen gebracht.

Menschen, die unter diesen Bedingungen nicht leben wollten,
hatten also kein Recht, dieses Land aus eigener Entscheidung zu verlassen.
So kam es,
dass immer wieder Menschen heimlich bei Nacht und Nebel aus diesem Land flohen.
Immer wieder riskierten Menschen das eigene Leben, um dieser Herrschaft zu entkommen.
Immer wieder bestanden Menschen auf dem Recht, den eigenen Lebensort frei zu wählen,
stellten einen Antrag auf Ausreise aus diesem kleinen, so sehr engen, Land
und nahmen all die damit verbundenen, schweren Benachteiligungen in ihren Leben auf sich.

Deshalb ließen die Herrschenden
eine große Mauer bauen
und Stacheldrahtzäune um das Land ziehen,
Bluthunde auf die Menschen des eigenen Volkes hetzen,
und junge Männer an der Grenze auf Landsleute schießen,
die weg wollten aus diesem kleinen, viel zu engen, Land.

Als es dann irgendwann den Herrschenden nicht mehr so einfach möglich war,
Andersdenkende heimlich zu töten
und sie unbemerkt wegzusperren in all ihre Gefängnisse,
da beauftragten und zwangen sie immer mehr Menschen immer mehr Mitmenschen zu bespitzeln und sie zu überwachen.
Dies reichte bis in die Familien, bis in die Schlafzimmer hinein.

Wohnungen wurden verwanzt und abgehört,
Menschen wurden belauert und ausgefragt,
Gespräche wurden belauscht,
Briefe wurden geöffnet und zurückgehalten,
Telefonate wurden mitgehört und mitgeschnitten,
Taschen, Pakete, Autos und Wohnungen wurden durchsucht,
Menschen wurden beschattet und verfolgt,
gedemütigt und gekränkt und in die Krankheit getrieben,
vorgeladen, befragt, verhört und eingesperrt,
Kinder wurden weggenommen und zur Adoption freigeben,
in Heime gesperrt oder in Jugendwerkhöfe
oder in Arbeitslager.

So wurde es für alle Menschen in diesem kleinen Land immer schwerer
einander zu vertrauen.
Es blieb den Menschen letztlich nur die Entscheidung,
die Wahrheit des eigenen Herzens zu überhören und sich irgendwie einzurichten,
die eigene Wahrheit zu hören und sie zu verbergen
oder sie mit Würde zu leben.

In all der Zeit der Maßregelung und Unterdrückung ihrer eigenen Mitmenschen
hatten die Herrschenden ihren Traum von einer gerechten Gesellschaft selbst verraten.
Und wie schon die Herrschenden vor ihnen
predigten nun auch sie Wasser und tranken Wein.
Sie lebten immer offener im Überfluss und schämten sich dieser Ungerechtigkeit nicht.
Wie in alter Zeit entstand eine alles umfassende Günstlings- und Vetternwirtschaft
und Beziehungen schadeten nur jenen, die keine hatten
- in jeder Hinsicht.

Der Traum von einer gerechten Gesellschaft
war von den Herrschenden ganz still und leise aufgegeben worden.
Lug und Trug gehörten zum Alltag
und staatliche Willkür bedrohte beständig jene,
die es noch immer wagten ihre Wahrheit laut zu sagen.
Die Verfassung dieses kleinen Landes und die darauf beruhenden Gesetze
wurden bis zur Unkenntlichkeit entstellt, gebeugt und bei Bedarf auch gebrochen.
Das uralte Bild der drei Affen,
die sich beide Augen, beide Ohren und den Mund zu halten
spiegelte trefflich die Lebenswirklichkeit dieses Volkes in diesem kleinen Land.

So vergingen die Jahre
und trotz all dem wurde in diesem kleinen Land mit der alltäglich angeordneten Gewalt
auch gelebt und geliebt, gesungen, getanzt und geträumt:
von Wahrhaftigkeit, von Freiheit, von Gerechtigkeit, von Gemeinschaft und von Menschenwürde.

Und in vielen Menschen wuchs mit den Jahren immer stärker ihre Sehnsucht
nach einem wahrhaftigem und nach einem freien Leben
und nach grenzen-loser Lebensfreude,
die auf vielen Wegen ihren Ausdruck fand.

Bis dann irgendwann endlich auch in diesem kleinen Land das Maß voll war.

Und immer mehr Menschen in dem kleinen Land
besannen sich wieder auf ihre eigene Kraft und auf ihre eigene Würde,
sie kamen zusammen,
sie sprachen ihre eigene Wahrheit,
sie standen auf,
sie gingen gemeinsam auf die Straßen und auf die Plätze hinaus
und sie riefen ganz laut
und unüberhörbar
und immer wieder:
WIR sind das Volk!

Und mit diesem Mut zur eigenen Wahrheit
gewannen viele Menschen in diesem kleinen Land ihre eigene Freiheit
und ihre eigene Würde zurück.

Für eine kurze Zeit...

Dann hieß es:
Wir sind EIN Volk!

Und die Herrschenden der beiden deutschen Länder
vereinten die beiden Hälften dieses einst geteilten Reiches
zu einem vermeintlichen Ganzen:
mit einem von den Herrschenden ausgehandelten Vertrag.
Es waren noch nicht die Menschen dieses über die Jahrzehnte entfremdeten Volkes,
die sich damals aus ihrem freien Willen miteinander vereinten.

In diesem von den einstigen und jetzigen Herrschenden vorgeblich vereinten Land
gab es nun für alle Menschen
offene Landesgrenzen,
das Recht die eigene Wahrheit zu sagen - auch wenn keiner darauf hört,
eine blendende glitzerbunte Welt,
die mit ihrem maßlosen Überfluss viele Menschen verwirrt, betäubt und beschämt,
- und Herrschaft durch bewusst organisierte Abhängigkeit.

Diese Herrschaft zu beenden ist unsere gemeinsame Verantwortung in dieser Zeit.
Dies setzt jedoch voraus, dass wir bereit sind
unsere eigenen Wunden endlich wahr zu nehmen,
sie mit unseren Gefühlen vor uns selbst zu bezeugen,
sie einander freimütig mitzuteilen
um sie selbst zu heilen mit Wahrhaftigkeit und Mut.

Dadurch werden wir dann wirklich die Gemeinschaft der Menschen dieses geeinten Landes,
in dem wir wirklich und wahrhaftig MITEINANDER leben:
mit ALLEN Farben,
mit ALLEN Klängen
mit ALLEN Düften,
mit ALLEN Bewegungen
und mit ALLEN Träumen,
die ein freies und heiles Volk in sich trägt, bewahrt und vereint.
Dann sind wir als Menschen dieses Volk wahrhaftig miteinander verbunden
und bereit für ebenbürtigen Austausch mit allen Völkern auf der Erde.

Gewalt hatte uns zu brechen versucht,
doch wir haben Lüge und Täuschung durchschaut
und unsere eigene Wahrheit gelebt.
Wir weinten lange aus Schmerz angesichts all unserer zerschlagenen Hoffnungen und Träume
bis wir irgendwann aus tiefster Lebenslust zu lachen begannen
- denn wir haben uns befreit.

Wir waren verwundert, dass wir nach all der Gewalt soviel Kraft in uns tragen.
Wir haben uns gesehen mit all unseren Wunden
und heilen uns selbst, um einander zu stärken.
Wir öffnen unsere Fäuste zu den Sternen
und reichen über das Bekannte hinaus.

Was unvorstellbar war geschieht:
wir wenden uns einander wieder zu,
um die Wahrheit eines jeden Menschen zu hören.

Wagen wir es jetzt
die vielfältige WAHRHEIT,
die ungehörten GESCHICHTEn
und die verborgenen WEISHEITen
unserer jeweils einzigartigen Leben in der DDR
miteinander frei-mütig zu teilen
- im Vertrauen auf die jedem Menschen eingeborene Wahrheit, Weisheit und Heilkraft.

Liebschütz, den 11.01.2015

Kerstin Rakuna Schön
ottermühle 1, 07368 liebschütz
fon: 036640-139944 / 3
info@kraft-der-kreise.de

http://www.sedopfer.blogspot.de
http://buendnis-fuer-das-leben.de
http://www.kraft-der-kreise.de

WIR LADEN ALLE EIN, SICH MIT DER VERDICHTETEN GESCHICHTE DES EIGENEN LEBENS IN DER DDR
SICH AN DER GEMEINSAMEN AUFARBEITUNG UND HEILUNG DER WUNDEN DURCH DIE SED-GEWALTHERRSCHAFT
ZU BETEILIGEN.

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sowie die Kurzfassung:
'WAHRHEITen aus der DDR - für die Aufarbeitung und Wiedergutmachung der SED-Gewaltherrschaft'

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